Aber jedem von uns fällt auch immer wieder auf, dass gerade jenes Unausgesprochene und dennoch Unüberhörbare, jenes Unsichtbare und dennoch Unübersehbare, jene Zwischentöne eben, oft nicht bewusst beziehungsweise erst mit Verzögerung wahrgenommen werden.

 

Gründe dafür gibt es viele: da sind wir gerade nicht ganz bei uns, oder sind in Hektik oder möchten uns in eben diesem Moment nicht damit beschäftigen usw., usw.

 

Echte Begegnungen setzen jedoch unser Offensein gerade für die Zwischentöne voraus. Nur wenn wir unsere Wahrnehmung schulen, das heißt, uns darin üben, ganz bei der Sache zu sein, erst dann können wir uns ansprechen, anrühren lassen, sind wir bereit, vielleicht alte Gewissheiten, Seh- und Hörgewohnheiten auch in Frage zu stellen, unseren sicheren Hafen zu verlassen und uns ins Unbekannte hinaus zu wagen.

 

Begreifen wir ‚Begegnung’ in diesem Sinne als einen offenen, kreativen Prozess, beginnen ‚Zwischentöne’ in uns sinnlich, emotional, mal momentan, mal dauernd wirksam zu werden. In uns vollzieht sich eine neue, gewandelte und dadurch auch differenziertere Sichtweise. Und wenn dies geschieht, sprechen wir von einer fruchtbaren Begegnung. Fruchtbar deswegen, weil zwei Seiten – ich und das Gegenüber in produktive Beziehung treten, wir uns verständigen. Wie wichtig, ja not-wendend solch produktive Begegnungen in Gesellschaft und Politik weltweit sind, sehen wir aktuell beispielsweise an dem Problem der Integration.

 

Auch eine fruchtbare Begegnung mit der Kunst setzt bewusstes Hinsehen, Hinhören und Hinfühlen voraus. Denn was ist das Anliegen eines Künstlers? Er bearbeitet ein für ihn und die Gesellschaft wichtiges Thema, z. B. das der „Zwischentöne“. Er bearbeitet das Thema aus seiner Sichtweise, wie er Begegnungen im Alltag erlebt, welche Erfahrungen er dabei macht, und wie er im Alltag damit umgeht. Diese Erfahrungen setzt er dann in seinen Arbeiten künstlerisch um.

 

Mit seinen Exponaten möchte der Künstler dem Betrachter etwas mitteilen, ihn teilnehmen lassen, Anstöße zum Reflektieren geben, mit ihm kommunizieren, und ihn fragen: „Wie gehen Sie mit dem Thema ‚Begegnungen und ihre Zwischentöne’ um?“ „Was haben Zwischentöne mit Ihrem Alltag zu tun?“, „Was lösen die Exponate in Ihnen aus?“ Dieses Kommunizieren mit dem Betrachter ist für den Künstler die bleibende Sinnhaftigkeit seines Tuns.

 

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