‚Ton-Gespinste‘
Einführende Worte von Lydia Brüll anlässlich der Eröffnung
von Ute Lilei-Dorn am 20. April 2013

 

Guten Abend liebe Kunstfreunde – Ich freue mich, dass Sie auch dieses Mal wieder den Weg in mein Kunstatelier gefunden haben.

 

Ich bin wieder auf Entdeckungsreise gegangen und dabei der Künstlerin Ute Lilei-Dorn begegnet und habe sie mit ihren außergewöhnlichen Objekten in meine Galerie eingeladen. Liebe Ute ich begrüße Dich sehr herzlich und danke Dir, dass Du uns für einige Wochen an Deinem kreativen Schaffen teilhaben lässt.

 

Ute Lilei-Dorn liefert das Paradigma dafür, wie sich mit verschiedenen Materialien höchst unterschiedlicher Art und Herkunft erfolgreich umgehen lässt. Sie arbeitet mit Ton und Draht und setzt diese beiden Materialien in ihren Kunstwerken in eine spannungsreiche Beziehung. Beides sind Materialien, welche uns im alltäglichen Leben, aber auch in der Kunstszene begleiten. Die Keramik in Form von Gebrauchsgegenständen wie Schalen, Teller, Becher, aber auch in Form von Kunstobjekten – der Draht als ein elementarer Bestandteil im Alltag, aber auch in Form der Drahtkunst.

 

Die Juristin Lilei-Dorn lebt und arbeitet in Münster. Schon früh fühlte sie sich zur Kunst hingezogen. Was einst als Ausgleich zu ihrem Beruf gedacht war, hat sie längst zu ihrer Hauptbeschäftigung gemacht. Durch ihre Ausstellungen in Bochum, Münster, Essen, Eppstein, Bad Pyrmont, Wolbeck und in den Niederlanden ist ihre Kunst bekannt geworden.

 

Die Gestaltung ihrer Objekte ist zeit- und arbeitsaufwendig. Steht das Objekt in seiner Gesamtheit aus Keramik und Draht vor ihrem geistigen Auge, fertigt sie zunächst eine Zeichnung an. Es folgen drei getrennte Arbeitsschritte: Ihre Ton-Elemente modelliert sie in der Aufbautechnik. Diese werden im Rohzustand stark poliert bis sie sich ganz glatt anfühlen, anschließend werden sie geschrüht. Danach folgt die Veredelung der Oberfläche nach dem Raku-, Naked-Raku (Nackter Raku) oder Kapselbrand-Verfahren. Bei Raku und Naked-Raku handelt es sich um zwei Jahrhunderte alte japanische Brenntechniken, die sich mittlerweile im Westen großer Beliebtheit erfreuen. Bei beiden Verfahren wird auf eine geschrühte Keramik Glasur aufgetragen. Nachdem diese getrocknet ist, wird die Keramik im Brennofen bei 950-1000 Grad Celsius erhitzt. Noch im heißen Zustand wird die Keramik mit einer Zange aus dem Brennofen geholt und kurz abgestellt. Das führt bereits zu den ersten Rissen in der Glasur. Anschließend kommt die Keramik in eine im Bodenbereich mit Sägespänen gefüllte Metalltonne. Die Sägespäne fangen an dem heißen Keramikobjekt Feuer und der dabei entstehende Rauch schwärzt die entstandenen Risse dauerhaft.

 

Bei dem Naked-Raku-Verfahren wird auf die geschrühte Keramik eine Schicht Schlicker und darüber eine Schicht Glasur aufgetragen. Aufgrund der Schlickerschicht kann sich die Glasur nicht fest mit der Keramik verbinden. Beim Räuchern in der mit Sägespänen gefüllten Tonne dringt Rauch in die sich bildenden Risse ein und verbindet sich fest mit der Keramik. Nach dem Abkühlen wird die lose Glasur von der Keramik entfernt.

 

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