‚Kunst mit den Augen des Kindes erleben’
Kinder malen gern. Gib ihnen mehrere Blätter Papier und Malstifte und schon geht es los. Diese beglückende Erfahrung machte ich erneut bei der Eröffnung der Ausstellung ‚Kunst mit den Augen des Kindes erleben’. Noch bevor das eigentliche Ereignis begann, saßen die ‚kleinen’ Künstler bereits am Tisch und malten ihre Wünsche auf gerissenes Büttenpapier, um sie anschließend an ihren Wunschbaum, den ich dafür aufgestellt hatte, zu hängen.

 

Ende Januar diesen Jahres hatte ich das große Vergnügen, Kinder mit ihren Bildern und Collagen in meiner Galerie zu Gast zu haben. Ihre Werke entstanden bei einem Malwettbewerb „100 Jahre Rathaus Sendenhorst“, der im Juli 2011 stattfand. Daran beteiligten sich die Kinder der Sonnenhausgruppe des Maria Montessori Kindergartens (Sendenhorst), der Ludgerus-Schule (Albersloh), der Teigelkamp Hauptschule (Sendenhorst) und der Ferien-Malschule Albersloh (Leitung Dagmar Bogattke). Sie bekamen eine richtige Vernissage wie die ‚großen’ Künstler: Musikalische Gestaltung durch Norbert Hennenberg (Klavier) mit seiner neunjährigen Schülerin Emily Koziol (Klarinette), Worte der Anerkennung und Bewunderung über „die unglaublich schöne Bildausstellung“ durch Bürgermeister Berthold Streffing und eine herzliche Begrüßung durch mich, in der ich meine Freude und meinen Dank zum Ausdruck brachte, dass ich ihre Bilder und Collagen, die mich so froh stimmen und mich richtig beschwingen, ausstellen darf. Getränke und frisch gebackene Waffeln gab es auch.

 

Für mich sind Kinderbilder faszinierend, anregend, bereichernd und herausfordernd. Malen ist für Kinder Spiel. Spielerisch setzen sie ihre äußeren Einwirkungen und inneren Empfindungen in ihren Bildern um und schaffen eine Umwelt ihrer Fantasie und Wünsche. Beim Malen öffnen sie ihre Herzen und erzählen von dem, was sie erfreut, beeindruckt, beglückt, aber auch bedrückt. Oft werden Angst, Traurigkeit, Verzweiflung durch das Malen für sie fassbarer. Regelmäßiges Malen gibt dem Kind die Möglichkeit, das, was erregt, auszudrücken, damit es nicht zu einem Problem wird.

 

Der kindliche Malprozess beginnt mit vorfigurativen Bildern, mit dem Zeichnen von Urformen wie das Kritzelknäuel, die Spirale, der Kreis, die Achse, das Urkreuz, der Kasten usw. Mit diesen Urformen entwickelt das Kind die Erfahrung von Grenzen und Richtungen zu seinem Körper, es entdeckt seine Innen- und Außenwelt, empfindet seinen ‚Sein-Zustand’ und seinen ‚Tun-Zustand’, zwei Seiten, die in jedem von uns als Anlage vorhanden sind.

 

Auch wenn das Kind die figurative Phase erreicht, verschwinden diese Urformen nicht. Vielmehr sind sie die Grundbausteine, aus denen sich die weitere zeichnerisch/malerische Darstellung entwickelt. Die Urformen werden dann vom Kind auf verschiedene Weise miteinander kombiniert und allmählich entstehen Menschen, Tiere, Bäume, Blumen, Gebäude usw. Aber auch hier handelt es sich nicht um eine realistische abbildnerische Darstellung und schon gar nicht um unvollkommene Bemühungen realistischer Darstellungen. Das Kind bildet nicht ab, sondern bildet, erschafft, kreiert und das kommt vor dem Abbilden. In der bildnerischen Darstellung offenbart sich die ursprüngliche Intention des Kindes sofern man ein Kind gewähren, d. h. aus seinem selbstverständlichen ‚Sein-Zustand’ heraus gestalten lässt.

 

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